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Nachgehen – Walter Benjamins letzte Flucht

Soeben frisch erschienen in einem Themenheft „Flucht“ der Zeithistorischen Forschungen: mein Essay über Walter Benjamins letzte Flucht. Im September 1940 flüchtete der Philosoph vor den Nazis von Banyuls über die Pyrenäen nach Portbou in Spanien. Vermutlich nahm er sich dort das Leben, weil er glauben musste, an die Gestapo rücküberstellt zu werden.

Wer die Ruta Walter Benjamin nachgeht, verfolgt Spuren der Erinnerung.

Im Herbst 2017 wanderte ich auf den Spuren dieser Flucht, die nicht Sicherheit brachte, sondern den Tod. Seit einigen Jahren ist diese Fluchtroute ein ausgeschilderter Wanderweg und trägt den Namen Walter Benjamins. Rund um die Flucht und Benjamins Selbstmord ranken sich Geschichten und Bezeugungen, es gibt gesicherte und ungesicherte Fakten, Ungenauigkeiten und Zweifel. Davon handelt mein Essay, davon, „wie schwer es ist, eine Flucht zu rekonstruieren – selbst wenn ein Umfeld gebildeter und gut vernetzter Freunde ein unmittelbares Interesse daran hatte, Informationen zu erhalten und zu dokumentieren, und der Flüchtende so prominent war wie Walter Benjamin, kein Namenloser der Geschichte, sondern ein Erinnerter.“

Über die Kraft des Nachgehens

„Die individuelle Erfahrung des Nachgehens fällt für jeden einzigartig aus, unwiederholbar die eigenen Gedanken beim Gehen, so Flüchtiges wie das Wetter und Dinge, die in keiner Beschreibung auftauchen. Es ist eine langsame und nachhaltige Annäherung im Gehen, die kein Fliegen, kein Überfliegen, keine bloße Lektüre von Texten bringen kann – ganz im Sinne Benjamins, der in »Chinawaren« eine Lanze für die persönliche Aneignung brach: »Die Kraft der Landstraße ist eine andere, ob einer sie geht oder im Aeroplan darüber hinfliegt. So ist auch die Kraft eines Textes eine andere, ob einer ihn liest oder abschreibt.«“

 

Wer den Essay lesen (oder auch abschreiben) möchte, findet ihn hier.

Verena Boos, Nachgehen. Eine Spurensuche auf Walter Benjamins letzter Fluchtroute, in: Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History, Online-Ausgabe, 15 (2018), H. 3, URL: http://www.zeithistorische-forschungen.de/3-2018/id=5619, Druckausgabe: S. 523-538.

Antifaschist zwischen Kunst und Politik

Kunst und Politik, antifaschistisches Engagement und kreatives Schaffen gingen bei Josep Renau Berenguer – 1907 in Valencia geboren und 1982 in Ost-Berlin gestorben – Hand in Hand, und erinnert wird sein Name auch deshalb, weil er als Funktionär während des spanischen Bürgerkriegs die wichtigsten Werke des Prado in Sicherheit bringen ließ. Seine antikapitalistischen Collagen, die er 1949 im mexikanischen Exil begann und ab 1958 in der DDR fortführte, waren bisweilen ebenso krude wie historisch ungenau. Fünfzig Jahre später jedoch, nach den tödlichen Ereignissen in Charlottesville und in einer Zeit, da entfesselter Kapitalismus in Verbindung mit Dummheit, rechtsradikalem Gedankengut und atomarem Kettengerassel seine Fratze zeigt, sind Renaus Blätter womöglich weniger verstaubt als gedacht und regen zumindest zur Reflexion über die globale Wirkmacht Amerikas, dessen gesellschaftliche Zerrissenheit und den zyklischen Verlauf von Geschichte an.

Der ganze Artikel in der Rubrik 10 nach 8 auf ZEIT online.

Memory Works-Stipendium der Bundesstiftung Aufarbeitung

Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur vergibt dreimonatige Stipendien, die der internationalen Vernetzung und dem grenzüberschreitenden Austausch in Fragen von Erinnerungsarbeit und Auseinandersetzung mit Gewaltherrschaft und Diktatur dienen. Durch vertiefte gegenseitige Kenntnis über die jeweilige Geschichte und deren Verarbeitung sollen alle Beteiligten zu einem besseren Verständnis der jeweiligen Debatten und deren historischer und politischer, aber auch gesellschaftlicher Hintergründe gelangen.

 

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„Blutorangen“ in spanischer und katalanischer Übersetzung

Ein sehnsüchtiger Wunsch ist in Erfüllung gegangen: Das Buch kommt nach Spanien!

Seit dieser Woche sind die Übersetzungen ins Spanische und Katalanische erhältlich. Die Verlage Plataforma Editorial und Bromera haben die beiden Editionen in konzertiertem Teamwork herausgebracht, und wir haben Anfang Juni eine Reihe sicherlich interessanter Veranstaltungen in Barcelona:

 

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„Blutorangen“ als Taschenbuch

Appettitlich kullern sie auch auf dem Titel der Taschenbuchausgabe, die Orangen. Ebenso schön wie das Hardcover, leichter zu tragen, und der Clou: man zahlt weniger, bekommt dafür aber einen Stammbaum der Familien von Maite und Carlos dazu. Seit dem 17. Februar sind die „Blutorangen“ in der Pocket-Variante erhältlich … im Buchhandel eines jeden Vertrauens oder auch direkt bei Aufbau!

Europas vergessene Diktatur?

Eine Ausstellung in Aachen, ein Symposium in Weimar: Zwei Veranstaltungen werfen Licht auf das verschattete Erbe Francos und auf jene, die schattige Ecken nicht scheuen, die sich die Hände schmutzig machen und das Schweigen brechen.

 

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