Verena Boos steht als Schriftstellerin im Dialog mit der akademischen Gedächtnisforschung ebenso wie mit Aktivisten und Praktikern im Feld der Erinnerungsarbeit.

Ihr Roman BLUTORANGEN hat im Feld der Memory Studies viel Aufmerksamkeit erhalten, weil er erstmals die Verwobenheit spanischer und deutscher Zeitgeschichte inszeniert und dabei geschichtliche Prozesse ebenso historisch genau wie literarisch innovativ darstellt – ein Stück “literarische Erinnerungsarbeit”. Nicht nur in seinem Inhalt, sondern auch in seiner Struktur versucht der Roman, den Prozess des Erinnerns und des Grabens in der Vergangenheit zweier Familien in Deutschland und Spanien abzubilden.

Verena Boos ist Mitglied der Frankfurt Memory Studies Platform, eines Netzwerkes, das Gedächtnisforschung international und über den akademischen Horizont hinaus betreibt. Seit 2011 steht sie in Kontakt zur spanischen Erinnerungsbewegung der Memoria Histórica, die sich mit dem historischen Erbe des Franquismus auseinandersetzt, Massengräber exhumiert und für die juristische Aufarbeitung der Franco-Verbrechen kämpft. 2017 arbeitete sie als Stipendiatin des internationalen Memory Works-Austauschprogramms der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur am Instituto de Lengua, Literatura y Antropología des CCHS/CSIC in Madrid zu Erinnerungspolitik und der Kultur des Gedenkens von Gewalt und Totalitarismus in vergleichender Perspektive.

Über klassische Autoren-Lesungen hinaus beschäftigt sich Verena Boos mit Themen der Erinnerung, der Beschäftigung mit der Vergangenheit, dem Erzählen und Nacherzählen auch in Seminaren und Podiumsdiskussionen, Workshops und Schreibwerkstätten. Zum Beispiel für und mit: Deutsche Psychoanalytische Vereinigung, Universität Augsburg, Universität Valencia, Universität Pompeu Fabra Barcelona, Volkshochschule Aachen, Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur / Ost-West-Europäisches Gedenkstättentreffen / Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung, Deutsche Gesellschaft e.V., Asociación para la Recuperación de la Memoria Histórica, Studienstiftung des Deutschen Volkes.

Lesung aus den „Blutorangen“ und Publikumsdiskussion über Formen des Erinnerns und die Übertragung von Erfahrungen und Traumata über mehrere Generationen hinweg; Kongress der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung (DPV), November 2018.

Seminar über spanische Zwangsarbeiter unter deutscher Besatzung in Frankreich während des Zweiten Weltkriegs. Orte des Erinnerns und des Vergessens in Bordeaux. Universität Bordeaux, September 2018.

Für die Frankfurt Memory Studies Platform gab sie einen „Writer’s Talk“ – Werkstattgespräch über Erinnerungsorte in Barcelona. Universität Frankfurt, Juni 2018.

Silence | Memory | Hope. Essay zum Fotoband Memoria Perdida. Sites of Spain’s Lost Memory 1936-1975 (2018) von Miquel Gonzalez, ISBN 9789077386248. Mai 2018.

Novelar el silencio / Schreiben über das Schweigen für das Seminar „Rastros y Rostros de la Violencia / Faces and Traces of Violence“ . CSIC Madrid und Universität Barcelona, September / Oktober 2017.

Diskussion am Runden Tisch mit dem Rechtshistoriker Alfons Aragoneses und der Juristin und Abgeordneten des Parlaments der Balearen Margalida Capellà i Roig über historische Aufarbeitung in Deutschland und Spanien. Universität Pompeu Fabra Barcelona, Juni 2017.

Für die Frankfurt Memory Studies Platform gab sie gemeinsam mit dem Soziologen Nathan Sznaider ein Seminar zu literarischen und soziologischen Perspektiven auf den Spanischen Bürgerkrieg und seine „multidirektionale“ Erinnerungsgeschichte. Universität Frankfurt, Juni 2016.